Seendialog Wörthersee
Der wunderschöne Wörthersee ist einer der bekanntesten Seen in Österreich. Er ist Erholungsgebiet, bedeutender Tourismus- und Wirtschaftsstandort, Spielstätte für Freizeitaktivitäten und diverse Sportarten, aber gleichzeitig auch ein enorm wichtiger Lebens- und Naturraum für Flora und Fauna. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass hier vielfältige Nutzungs- und Schutzinteressen aufeinandertreffen.
Mit dem „Seendialog Wörthersee“ sollen ökologische Überlegungen und Nutzungsinteressen auf einen Nenner gebracht werden, um daraus nachhaltige und tragfähige Maßnahmenkonzepte zu entwickeln. Dies geschieht im Rahmen eines breit angelegten Beteiligungsprozesses. Alle Interessensgruppen rund um den Wörthersee haben die Möglichkeit, sich in die Gestaltung neuer Lösungen einzubringen.
Online-Befragung
Von 1. bis 30. September 2026 sind Bürger:innen, Anrainer:innen, Gäste, Betriebe, Vereine und am See tätige Akteur:innen eingeladen, ihre Erfahrungen, Meinungen und Ideen im Rahmen einer Online-Befragung zur Zukunft des Wörthersees auf www.seendialog.at einzubringen.
Mehr Informationen dazu gibt’s auch auf der Seite Online-Befragung.
Wieso benötigt es jetzt neue nachhaltige Maßnahmen?
In den vergangenen Jahren ist der Nutzungsdruck auf den Wörthersee kontinuierlich gestiegen. Verbauungen an den Ufern sowie der rege Bootsverkehr und Wassersport können das empfindliche Ökosystem von Gewässern stark belasten. Gleichzeitig wird die Widerstandsfähigkeit des Sees durch die steigenden Wassertemperaturen infolge des Klimawandels immer mehr auf die Probe gestellt.
Als Folge wird der ökologische Zustand aktuell, gemäß den Kriterien der EU-Wasserrahmenrichtlinie, als mäßig eingestuft. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, bestehende Entwicklungen genauer zu analysieren und mögliche Verbesserungsoptionen zu prüfen. Ziel ist es, tragbare Lösungsansätze zu schaffen, die sicherstellen, dass der See auch noch für künftige Generationen Naturidyll und Erholungsraum bleibt.
Das BMLUK und das Land Kärnten haben in Bezug auf den Wörthersee den Handlungsbedarf klar identifiziert und in Folge den Seendialog ins Leben gerufen.
Wie kann man sich den Beteiligungsprozess vorstellen?
Im Rahmen des Projektes „Seendialog Wörthersee“ haben alle Akteure und Akteurinnen rund um den See die Möglichkeit, ihre Perspektiven, Ideen und Erfahrungen einzubringen. Der Beteiligungsprozess nimmt seinen Anlauf, indem ab Februar 2026 Vorgespräche mit wichtigen Stakeholdern geführt werden. In einem zweiten Schritt haben alle Interessensgruppen die Möglichkeit, an einer Workshopreihe teilzunehmen, in welcher der aktuelle Status am See und mögliche künftige Maßnahmen diskutiert werden. In der letzten Phase kommt die Öffentlichkeit zu Wort. In einer groß angelegten Online-Befragung (von 1.9.-30.9.2026) sind die Bevölkerung, Gäste, Naherholungssuchende und Interessensgruppen dazu aufgerufen, ihre Sichtweisen einbringen.
Wo kann man mehr über den Seendialog und seine Inhalte erfahren?
Der Seendialog Wörthersee ist auch auf Social Media zu finden. Auf Instagram (@seendialog_woerthersee) und Facebook (@seendialogwoerthersee) erfahren Sie über den Projektzeitraum wichtige Infos zur Seenökologie, zum Wörthersee und zur online Befragung.
Bei Fragen können Sie sich gerne an woerthersee@seendialog.at wenden.
Präsentationen aus den Themenworkshops
Zusätzlich veröffentlichen wir hier die Präsentationen aus den Themenworkshops des Seendialogs. Von den Grundlagen der Seenökologie über Beiträge wichtiger Interessensvertretungen bis hin zu wertvollen Infos zum Ist-Zustand sowie zu Schutz und Nutzung des Wörthersees:
Empfehlungen für eine nachhaltige Seenbewirtschaftung
Die österreichischen Seen stehen durch Klimawandel, steigenden Nutzungsdruck und vielfältige Eingriffe in ihre Ökosysteme vor großen Herausforderungen. Die Publikation „Empfehlungen für eine nachhaltige Seenbewirtschaftung“ zeigt auf, wie Seen und ihre Uferzonen langfristig geschützt und nachhaltig genutzt werden können. Viele der darin behandelten Themen, etwa Uferverbauung, Schifffahrt, Renaturierung und Klimawandel, spielen auch im Seendialog Wörthersee eine zentrale Rolle.
Workshop 1: "Unsere Seen - Sauber, aber ökologisch nicht intakt?"
von Gisela Ofenböck, Gewässerökologin im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Gisela Ofenböck arbeitet als Gewässerökologin für das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft. Ihr Vortrag ist eine Einführung in die Seenökologie. Sie stellt Seen als sensible Ökosysteme dar, in denen viele verschiedene Akteure eine wichtige Rolle spielen und sich gegenseitig beeinflussen. Sie sind in einem Kreislauf miteinander verbunden, wie die folgende Abbildung zeigt.
Es geht um ein Zusammenspiel von Algen, die wie ein sauerstoffproduzierender Wald im Wasser agieren, Wasserpflanzen und ihre wichtige Rolle in der Bindung von Nährstoffen und als Nahrungsquelle, Wassertieren als Konsumenten, und Bakterien, die als Zersetzer fungieren und damit die Pflanzen ernähren. Dazu gehören intakte Schilfgürtel als Lebensraum für (Jung-)Tiere, die auch eine wichtige Filterfunktion für den See erfüllen.
Wenn es an einer Stelle Probleme gibt, kann das gesamte Ökosystem See in eine negative Spirale und aus dem Gleichgewicht geraten – mit schwerwiegenden Folgen. Leichte Veränderungen müssen daher schon als frühe Warnung einer allgemeinen negativen Entwicklung erkannt werden.
Die folgende Abbildung zeigt dieses Zusammenspiel dieser Faktoren im See.
Bei Österreichs Seen lässt sich aktuell insgesamt ein negativer Trend feststellen. Dabei sind von See zu See sind die Ursachen und Probleme sehr divers. Erschwerend kommt die Herausforderung des Klimawandels hinzu, der die Seen zusätzlich belastet.
Die Vortragende plädiert daher dafür, Veränderungen ernst zu nehmen und frühzeitig Maßnahmen zu setzen, um ernste Probleme und etwaige irreversible Schäden zu vermeiden.
Workshop 1: "Die Ökologie des Wörthersees im Überblick"
von Barbara Kogelnig, Amt der Kärntner Landesregierung (Abteilung Wasserwirtschaft) und Georg Santner, Kärntner Institut für Seenforschung
Der Vortrag startete mit einem Überblick der Entwicklung des Wörthersees über die Zeit und wichtigen historischen Meilensteinen, wie beispielsweise der Rotalgenbefall der 1960er Jahre. Daraufhin beleuchteten die Vortragenden verschiedene Parameter und Einflussfaktoren am Wörthersee.
Nach der Entwicklung von Temperatur und Wind wurden die Daten zum chemischen Zustand des Wassers präsentiert, der sich als gut darstellt. Dasselbe gilt für das Qualitätselement Phytoplankton, also für das Vorkommen von Algen im Wörthersee. Die Bewertung „gut“ gilt auch für den Fischbestand, bei dem allerdings Veränderungen in der Zusammensetzung der Arten festgestellt werden können, vor allem eine Verschiebung zugunsten von karpfenartigen Fischen.
Auch für die Wasserpflanzen wurde im Vortrag eine detaillierte Bestandsaufnahme dargestellt. Sie sind der Ausgangspunkt für den nun als „mäßig“ eingestuften Zustand des Sees. Hier lässt sich eindeutig ein Rückgang feststellen. Dasselbe gilt für den Schilfbestand, bei dem 2019 ein Rückgang von 57% im Vergleich zu den 1950er Jahren attestiert werden kann. Bei den Wasservögeln stellt sich die Situation ebenfalls stark rückläufig dar. Sowohl in der Artenvielfalt als auch in der Anzahl der Brutpaare allgemein. Ursache ist hierbei unter anderem der Rückgang des Schilfs als Lebensraum für Brutvögel.
Was die potenziellen Belastungen am Wörthersee betrifft so konnten viele Faktoren bereits als kausale Verursacher der seenökologischen Verschlechterung ausgeschlossen werden, wie Nährstoffeintrag, Wasserstand, Schadstoffbelastung oder das Ansiedeln invasiver Arten. Die Hauptbelastungsfaktoren sind Uferverbau, falscher Fischbestand und Wellenschlag durch Boots- und Schifffahrt.
In der Präsentation wird im Detail auf die verschiedenen Ursachen eingegangen und wie diese identifiziert und untersucht wurden.
Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, besteht das Risiko eines fortgesetzten Rückgangs der Wasserpflanzen und es droht die Eintrübung des Wassers, Algenbildung, ein weiterer Verlust von Lebensraum und Biodiversität und es kommt damit zu einer Gefährdung des gesamten Ökosystems.
Workshop 2: "Ökologie des Wörthersees: Klimawandel heute und morgen"
von Georg Santner, Kärntner Institut für Seenforschung
Georg Santner erläuterte in seinem Vortrag die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, steigender Wassertemperatur und den Veränderungen im Wörthersee. Der Anstieg der Lufttemperaturen in Österreich überträgt sich auch auf die Seen, sodass auch die Wassertemperatur im Wörthersee deutlich gestiegen ist – im Schnitt um rund 2 °C seit den 1980er‑Jahren. Das hat unmittelbare Folgen für das Ökosystem: Wasserpflanzen beginnen erst ab etwa 12–15 °C zu wachsen. Da diese Temperaturen heute früher erreicht werden und länger anhalten, hat sich die Vegetationsperiode deutlich verlängert – der See ist also wesentlich länger „warm genug“ für Wachstum. Dadurch nehmen Wachstum und Konkurrenz zwischen den Arten zu, und vor allem wärmeliebende Pflanzen sollten eigentlich profitieren.
Tatsache ist aber: wärmeliebende Arten nehmen derzeit nur in geschützten Bereichen zu. An den mehr exponierten Beobachtungsstellen kommt es auch bei den wärmeliebenden Arten zu einem Rückgang und ein Wechsel hin zu robusteren Arten ist feststellbar. Der Rückgang der Wasserpflanzen kann also nicht auf den Klimawandel zurückgeführt werden.
Ein zweiter zentraler Zusammenhang betrifft die sogenannte Schichtung des Sees. Im Sommer erwärmt sich das Oberflächenwasser stark, während das Tiefenwasser kalt bleibt. Es entstehen stabile Schichten, die sich kaum durchmischen. Normalerweise wird diese Schichtung im Frühjahr und Herbst aufgehoben: Wenn der See auf etwa 4–6 °C abkühlt, mischt sich das Wasser im See zu einem großen Teil durch. Dabei gelangt Sauerstoff von oben in tiefere Schichten, während Nährstoffe aus der Tiefe wieder nach oben transportiert werden. Durch den Klimawandel gelingt diese Durchmischung jedoch immer seltener oder nur noch sehr kurz, weil der See nicht mehr ausreichend abkühlt. Gleichzeitig bleibt er länger geschichtet. Die Folge ist eine zunehmende Entkoppelung der Wasserschichten: Im Oberflächenwasser ist genügend Sauerstoff vorhanden, während im Tiefenwasser Sauerstoffmangel entsteht und sich Nährstoffe ansammeln.
Klimaszenarien zeigen, dass sich diese Entwicklungen weiter verstärken werden: höhere Wassertemperaturen, längere Schichtungsphasen und kürzere Durchmischungsphasen. Das begünstigt unter anderem Algenwachstum und führt zu einer allgemeinen Verschiebung der Artenzusammensetzung im See. Damit wird klar, dass auch vor diesem Hintergrund Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz des Sees getroffen werden müssen.
Workshop 2: "Wellenschlag allgemein und am Wörthersee"
von Franziska Hübl, TU Graz
Franziska Hübl präsentierte die zentralen Erkenntnisse des Projekts WAMOS zum Einfluss von Wellenschlag am Wörthersee. Ziel des Projekts war es, die Entstehung und Wirkung von Wellen systematisch zu untersuchen und abzubilden, wobei der Wörthersee als konkretes Beispiel diente.
Ein zentrales Ergebnis ist, dass Bootswellen im Vergleich zu Windwellen die größere Belastung darstellen: Da am Wörthersee überwiegend geringe Windgeschwindigkeiten auftreten, sind natürliche Windwellen meist schwach und erreichen nur bei seltenen Sturmereignissen eine ähnliche Intensität wie durch Boote verursachte Wellen. Entscheidend ist dabei die unterschiedliche Wirkungsweise der Wellen. Windwellen bleiben meist oberflächennah und wirken nur bis in sehr geringe Tiefen. Bootswellen hingegen haben größere Wellenlängen und wirken bis mehrere Meter in die Tiefe, wodurch sie Sedimente vom Seegrund aufwirbeln können. Diese Aufwirbelung verschlechtert die Wasserqualität (z. B. durch Trübung) und beeinflusst somit das Ökosystem.
Zusätzlich hängt die Stärke der Effekte stark von den örtlichen Rahmenbedingungen ab: Naturnahe Ufer oder geschützte Buchten können Wellenenergie teilweise aufnehmen und dämpfen, während harte Uferverbauungen Wellen reflektieren und die Belastung im System erhöhen. Auch das Fahrverhalten von Booten spielt eine wichtige Rolle: Besonders mittlere Geschwindigkeiten („Halbgleiten“) führen zu stärkeren Belastungen und mehr Sedimentaufwirbelung, während sehr langsame oder schnelle gleitende Fahrweisen tendenziell geringere Auswirkungen haben.
Im Fazit zeigt sich, dass Bootswellen ein wichtiger Einflussfaktor im System Wörthersee sind -die Auswirkungen davon sind stark von Fahrweise, Ufergestaltung und lokalen Gegebenheiten abhängen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, diese Zusammenhänge bei der zukünftigen Entwicklung und Bewirtschaftung des Sees verstärkt zu berücksichtigen.
Workshop 2: "Wörthersee: Auswirkungen des Wellenschlags auf Wasserpflanzen"
von Karin Pall, systema
Karin Pall beleuchtete in ihrer Präsentation die Auswirkungen von Wellenschlag auf Wasserpflanzen (Makrophyten) im Wörthersee und deren Bedeutung für den ökologischen Zustand des Sees. Ein zentraler Punkt vorab ist die ökologische Funktion der Makrophyten: Sie sind wesentlich für das System See, da sie Nährstoffe aufnehmen, Sauerstoff produzieren und als stabilisierendes Element im Uferbereich wirken.
Im Fokus stand die Frage, wie sich Wellen im Uferbereich auf Wasserpflanzen (Makrophyten) auswirken. Dabei wurde deutlich, dass Wellenschlag – insbesondere durch Boote – mehrere Effekte gleichzeitig auslöst: Er wirbelt Sedimente vom Grund auf (Resuspension), erhöht dadurch die Wassertrübung und übt zusätzlich mechanischen Stress auf die Pflanzen aus. Vereinfacht bedeutet das: Das Wasser wird trüber, weniger Licht gelangt zu den Pflanzen, und gleichzeitig verlieren sie durch die Bewegung an Halt im Sediment. Besonders stark wirken diese Effekte im Flachwasserbereich (ca. 1–1,5 m Tiefe), wo die meiste Aufwirbelung stattfindet. In größeren Tiefen nehmen die Auswirkungen deutlich ab. Zudem zeigt sich im Vergleich, dass wellenberuhigte Bereiche (z. B. hinter Schutzstrukturen) deutlich weniger belastet sind als exponierte Uferzonen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Zusammenhang mit dem ökologischen Gesamtzustand des Sees: Wasserpflanzen fungieren damit als eine Art Frühwarnsystem, das anzeigt, ob das ökologische Gleichgewicht noch funktioniert.
Gleichzeitig betonte Pall, dass mehrere Faktoren zusammenwirken: Neben dem Wellenschlag beeinflussen auch Uferverbauungen, Bootsverkehr, Fischbestände, invasive Arten und (v.a. zukünftig) der Klimawandel das System. Diese Kombination führt zu einer zunehmenden Belastung für den See. Die Entwicklungen müssen demnach aufmerksam beobachtet und frühzeitig berücksichtigt werden, um negativen Entwicklungen rechtzeitig entgegenzuwirken.
Workshop 2: "Schifffahrt in Österreich"
von Barbara Kogelnig, Amt der Kärntner Landesregierung (Abteilung Wasserwirtschaft)
Barbara Kogelnig gab in ihrer Präsentation einen Überblick zur Schifffahrt in Österreich mit Fokus auf den Wörthersee und stellte diesen in den Kontext mit vergleichbaren Seen.
Im Vergleich mit anderen Seen (Attersee, Traunsee, Mondsee, Millstätter See, Wolfgangsee, Ossiacher See) wird deutlich, dass der Wörthersee trotz geringerer Fläche eine relativ hohe Anzahl an gewerblichen Booten aufweist und sich damit strukturell von vielen anderen Seen unterscheidet. Auch bei den Regelungen zur Schifffahrt zeigen sich Unterschiede: Während bei anderen Seen teilweise zeitliche Einschränkungen (z. B. Nachtfahrverbote oder saisonale Beschränkungen) gelten, ist die Nutzung am Wörthersee vergleichsweise wenig eingeschränkt.
Am Wörthersee sind über 1.069 Boote registriert (Antrieb ist nahezu ausgeglichen zwischen Elektro- und Verbrennungsmotoren), wobei der Großteil (833) auf den privaten Bereich entfällt (davon 500 Elektroboote). Zusätzlich zeigt sich eine breite Streuung bei Leistung und Größe der Boote, was auf eine heterogene Nutzung des Sees hindeutet.
Im Fazit wird deutlich, dass sich der Wörthersee durch eine hohe Nutzungsintensität und spezifische Rahmenbedingungen auszeichnet. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit anderen Seen, dass unterschiedliche Regelungsansätze bestehen, die den jeweiligen Nutzungskontext widerspiegeln und als Orientierung für die Einordnung der Situation dienen können.
Workshop 3: "Status Ufer und seine ökologische Bedeutung - Zahlen, Daten, Fakten"
von Barbara Kogelnig, Amt der Kärntner Landesregierung (Abteilung Wasserwirtschaft) und Georg Santner, Kärntner Institut für Seenforschung
Georg Santner und Barbara Kogelnig (AKL Kärnten) präsentierten aktuelle Zahlen, Daten, Fakten zur Ufernutzung am Wörthersee sowie die ökologische Bedeutung der Uferzone.
Zunächst muss zwischen Freiwasser und Bodenzone unterschieden werden: Während im Freiwasser Organismen ohne Bodenkontakt leben, ist die Uferzone Teil der Bodenzone und lichtdurchflutet – hier können Wasserpflanzen wachsen und komplexe Lebensräume entstehen.
Innerhalb der Uferzone gibt es eine natürliche Abfolge von Lebensräumen: von der Röhrichtzone im flachen Wasser über Schwimmblatt- und Laichkrautzonen bis hin zu tiefer gelegenen Pflanzenbeständen. Diese Bereiche erfüllen zentrale Funktionen für das Ökosystem. Sie wirken als Nährstofffilter, bieten Lebensraum und Schutz – etwa als „Kinderstube“ für viele Fischarten – stabilisieren das Ufer gegen Erosion und dämpfen Wellenenergie.
Dem gegenüber stehen verbauter oder naturferner Uferbereiche, die diese Funktionen weitgehend verlieren. Harte Ufermauern reduzieren die Filterwirkung, verschlechtern die Lebensraumqualität, verstärken Welleneffekte und trennen den wichtigen Übergangsbereich zwischen Wasser und Land.
Im zweiten Teil wurde die konkrete Nutzung und der Verbauungsgrad am Wörthersee dargestellt. Insgesamt sind 28,2 km bzw. etwa 30 % des Seeufers verbaut, zusätzlich sind große Flächen durch Stege, Bootshäuser und Marinas überbaut. Auch die Nutzung durch Boote ist hoch: über 3.000 Liegeplätze verteilen sich auf den See, mit besonders hoher Dichte etwa in der Klagenfurter Ostbucht.
Als Gründe für die Verbauung wurden vor allem Landgewinnung, Erosionsschutz und der Schutz von Infrastruktur genannt – gleichzeitig entsteht dadurch ein klarer Nutzungskonflikt zwischen menschlichen Interessen und ökologischen Anforderungen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Struktur der Eigentumsverhältnisse: Der Großteil der Uferflächen ist privat (ca. 76 %), und viele Grundstücke sind sehr klein. Dadurch wird deutlich, dass Verbesserungsmaßnahmen oft nur kleinräumig umgesetzt werden können, da auf kurzen Uferabschnitten wenig Platz für natürliche Strukturen bleibt.
Fazit: Die Uferzone hat eine Schlüsselfunktion für den gesamten See, steht gleichzeitig aber stark unter Nutzungsdruck. Daraus ergibt sich die Herausforderung, Nutzung und ökologische Funktionen besser in Einklang zu bringen – insbesondere durch kleinräumige, standortspezifische Lösungen.
Workshop 3: "Wie kann See-Ufer-Renaturierung exemplarisch aussehen?"
von Karoline Angermann, Umweltbüro Klagenfurt
Karoline Angermann (Umweltbüro Klagenfurt) zeigte in ihrem Vortrag Möglichkeiten zur Seeuferrenaturierung am Wörthersee auf und stellte diese in den Kontext von Erfahrungen aus anderen Seen.
Ausgangspunkt ist die Frage, was einen sehr guten ökologischen Zustand ausmacht: natürliche Ufer, ausreichend breite Flachwasserzonen, stabile Sauerstoffverhältnisse sowie intakte Pflanzen- und Tiergemeinschaften bei gleichzeitig geringer Nährstoffbelastung.
Demgegenüber stehen zentrale Belastungen, die diesen Zustand verhindern. Besonders relevant sind harte Uferverbauungen, die intensive Nutzung des Sees (z. B. durch Boots- und Badebetrieb) sowie weitere Eingriffe wie fischereiliche Nutzung. Diese Faktoren wirken zusammen und beeinträchtigen die natürlichen Prozesse am Ufer.
Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist daher der Rückbau verbauter Uferbereiche. Naturnahe Ufer können Wellen besser „abfedern“, wodurch Sedimentaufwirbelung und mechanische Belastungen reduziert werden. Gleichzeitig verbessern sich die Bedingungen für Wasserpflanzen, und Röhrichtzonen tragen zur Selbstreinigung des Sees bei. Darüber hinaus entstehen neue Lebensräume und auch aus landschaftlicher Sicht wird der See als natürlicher wahrgenommen. Insgesamt leisten solche Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Resilienz des Sees.
Zur Umsetzung wurden verschiedene Maßnahmen vorgestellt: etwa Kiesaufschüttungen, die Flachwasserzonen schaffen und Wellenenergie abbauen, Wellenbrecher, die ruhige Bereiche erzeugen können, oder Schilfpflanzungen, die vor allem in bereits geschützteren Bereichen sinnvoll sind. Entscheidend ist dabei immer die konkrete Ausgestaltung – etwa eine ausreichende Breite und geringe Neigung der Flachwasserzone.
Anhand von Beispielen – insbesondere vom Bodensee, aber auch von anderen Seen – wurde gezeigt, dass Renaturierung in der Praxis gut umsetzbar ist und häufig mehrere Ziele gleichzeitig erfüllt: von ökologischer Verbesserung bis hin zu attraktiveren Bade- und Erholungsbereichen. Auch am Wörthersee gibt es bereits kleinere Maßnahmen, meist im privaten Bereich, sowie größere Projekte wie Schutzzonen oder Pilotmaßnahmen.
Abschließend wurde deutlich, dass Renaturierung schrittweise erfolgen muss: Zunächst gilt es, geeignete Standorte zu identifizieren, anschließend Maßnahmen zu entwickeln und diese – idealerweise in Varianten – zu planen und abzustimmen. Insgesamt zeigt sich, dass naturnahe Ufer ein zentraler Hebel sind, um den ökologischen Zustand des Wörthersees langfristig zu verbessern und den See widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Belastungen zu machen.
Workshop 3: "Renaturierung öffentlicher Flächen - Vorstellung Machbarkeitsstudie Renaturierung Ostbucht"
von Christina Karnitschar, Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Wasserwirtschaft
Christina Karnitschar (AKL Kärnten) stellte ein Machbarkeitskonzept zur Verbesserung des ökologischen Zustands in der Klagenfurter Ostbucht und am Friedlstrand vor. Ausgangspunkt war eine umfassende Analyse des Untersuchungsgebiets zwischen Lido und Friedlstrand, bei der u. a. Sedimente, Tiefenverhältnisse, Wellenschlag, Makrophyten, Nutzungen sowie Erosions- und Hochwasserrisiken untersucht wurden.
Auf Basis dieser Analysen wurden verschiedene Varianten mit ihren Vor- und Nachteilen entwickelt. Zentral war dabei, dass Maßnahmen ausschließlich im Wasserbereich umgesetzt werden und bestehende Strukturen teilweise erhalten bleiben müssen – etwa Ufermauern als Erosionsschutz. Für die Ostbucht zeigt sich als bevorzugte Lösung eine Kombination aus Vorschüttung zur Schaffung einer Flachwasser- bzw. Wasserwechselzone, Bepflanzung mit Unterwasser- und Schwimmblattpflanzen sowie einem temporären Wellenbrecher, der langfristig durch die Vegetation ersetzt werden kann.
Für den Bereich des Friedlstrands wurden ähnliche Ansätze gewählt, jedoch mit mehr Spielraum für Röhrichtzonen, Totholzstrukturen oder alternative Wellenbrecher wie Holzriffe, wodurch zusätzliche Lebensräume geschaffen werden können. Ein zentrales Prinzip ist dabei die zonierte Bepflanzung, bei der unterschiedliche Pflanzen je nach Wassertiefe gezielt eingebracht werden – von Uferpflanzen bis zu Unterwasserpflanzen.
Die Umsetzung der Maßnahmen erfordert eine gezielte Einbringung der Pflanzen, teilweise auch mittels Taucheinsatz, zeigt jedoch laut Projekt bereits nach visuellen Beispielen gute Entwicklungspotenziale.
Zusammengefasst wird deutlich, dass die entwickelten Varianten unter den gegebenen Rahmenbedingungen umsetzbar sind und zur Verbesserung des ökologischen Zustands beitragen können. Das Konzept zeigt, wie durch kombinierte Maßnahmen aus Strukturverbesserung, Wellenreduktion und gezielter Bepflanzung eine ökologische Aufwertung auch in stark genutzten Bereichen möglich ist.
Workshop 3: "Renaturierung von privat und gewerblich genutzter Seegrundstücken - Grundsätze für Bewilligungen und Beispiele"
von Christina Karnitschar, Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Wasserwirtschaft
Christina Karnitschar (AKL Kärnten) gab in ihrem Vortrag einen Überblick über das wasserrechtliche Bewilligungsverfahren für Eingriffe am See und ordnete dieses in den rechtlichen und ökologischen Kontext ein. Ausgangspunkt ist dabei ein zentrales Prinzip des Wasserrechts: Gewässer sind öffentliches Gut („Gemeingebrauch“) und können grundsätzlich von allen genutzt werden, solange diese Nutzung andere nicht einschränkt.
Bauliche Eingriffe in den See unterliegen einer Bewilligungspflicht. Als sogenannte „Seeeinbauten“ gelten alle Anlagen, die Seefläche beanspruchen, am Ufer verankert sind und über den Gemeingebrauch hinausgehen – etwa Stege, Bootshäuser, Plattformen oder Ufermauern.
Der Weg zur Bewilligung ist mehrstufig: Zunächst wird ein Vorhaben beim wasserwirtschaftlichen Planungsorgan (WPO) eingebracht, das eine fachliche Ersteinschätzung vornimmt. Anschließend führt die Behörde ein Verfahren durch, in dem Gutachten eingeholt und betroffene Parteien (z. B. Grundeigentümer:innen, Fischerei, Gemeinde) eingebunden werden. Am Ende steht entweder eine Bewilligung oder eine Ablehnung, wobei auch Beschwerdemöglichkeiten bestehen.
Inhaltlich unterliegt das Verfahren den Grundsätzen der Wasserwirtschaftlichen Planung. Diese sehen vor, dass möglichst viele Seeufer unverbaute Freiräume bleiben, der Gemeingebrauch nur minimal eingeschränkt wird und bauliche Anlagen auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden. Besonders größere Bauwerke sollen möglichst an Land stattfinden, um den sensiblen Lebensraum See zu schützen.
Beispiele, wie diese Grundsätze angewendet werden: Stark verbaute Ufer mit durchgehenden Mauern, großen Plattformen oder dicht aufeinanderfolgenden Einbauten werden heute kritisch bewertet, da sie den Zugang einschränken und ökologische Funktionen beeinträchtigen. Demgegenüber stehen einfachere, reduzierte Lösungen – etwa einzelne Stege ohne harte Uferverbauung –, die eher mit den wasserrechtlichen Zielen vereinbar sind.
Zusammengefasst zeigt sich, dass das Bewilligungsverfahren nicht nur ein formaler Prozess ist, sondern ein zentrales Instrument, um Nutzung und Schutz am See auszubalancieren. Ziel ist es, Eingriffe so zu steuern, dass der Gemeingebrauch erhalten bleibt und der ökologische Zustand des Sees langfristig nicht beeinträchtigt wird.
Workshop 3: "Renaturierungsleitfaden für Tourismusbetriebe"
von Peter Peschel, Geschäftsführer Wörthersee Tourismus
Peter Peschel (Wörthersee Tourismus) stellte den Projektantrag für einen Leitfaden zur Seeuferrenaturierung vor, der auf den Ergebnissen des Schutz- und Nutzungskonzepts basiert.
Dieses zeigt, dass der Rückbau harter Uferverbauungen und die Verbesserung der Uferstruktur zentrale Maßnahmen für den Wörthersee sind.
Kern des Projekts ist die Erstellung eines praxisorientierten Leitfadens, der zeigt, wie Renaturierung konkret umgesetzt werden kann, ergänzt durch „Good-Practice“-Beispiele, die als Vorbilder dienen sollen. Ziel ist es, nicht nur theoretische Empfehlungen zu geben, sondern konkrete Umsetzungsprojekte anzustoßen und greifbare Lösungen sichtbar zu machen.
Besonders hervorgehoben wurde die Rolle des Tourismus: Da die Natur die zentrale Grundlage für den Tourismus am Wörthersee ist, besteht ein starkes Interesse, den ökologischen Zustand des Sees langfristig zu sichern. Gleichzeitig wurde betont, dass fehlende Planungssicherheit und langsame Verfahren für viele Projekte eine Herausforderung darstellen.
Geplant ist die Erarbeitung des Leitfadens bis etwa 2027 und darauf aufbauend die Umsetzung konkreter Maßnahmen.
Workshop 4: "Was bedeutet die Einstufung 'heavily modified' bei Seen"
von Barbara Kogelnig, Amt der Kärntner Landesregierung (Abteilung Wasserwirtschaft)
Barbara Kogelnig (AKL Kärnten) erläuterte in ihrem Vortrag das Konzept des „erheblich veränderten Gewässers“ (Heavily Modified Water Body, HMWB) und ordnete dieses in den Kontext der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ein. Ausgangspunkt ist die Frage, wann ein Gewässer trotz menschlicher Nutzung noch einen guten ökologischen Zustand erreichen kann und ab welchem Punkt die Veränderungen so umfassend sind, dass eine andere Bewertung erforderlich wird.
Zunächst wurde verdeutlicht, dass die Wasserrahmenrichtlinie grundsätzlich den guten ökologischen Zustand als Ziel vorgibt. Dabei ist auch bei bestehenden Nutzungen ein guter Zustand oft noch erreichbar. Selbst punktuelle Eingriffe oder bestimmte Nutzungen schließen dieses Ziel nicht automatisch aus, sofern wesentliche ökologische Funktionen erhalten bleiben.
Der Status eines erheblich veränderten Gewässers kommt erst dann zur Anwendung, wenn ein Gewässer dauerhaft so stark verändert wurde, dass ein guter ökologischer Zustand nicht mehr erreichbar ist. Gleichzeitig müssen die für eine Wiederherstellung notwendigen Maßnahmen wichtige Nutzungen erheblich beeinträchtigen – etwa Hochwasserschutz, Stromproduktion, Trinkwasserversorgung, Schifffahrt oder Freizeitnutzung. Zusätzlich darf es keine gleichwertige umweltverträglichere Alternative geben.
Anhand verschiedener Beispiele wurde gezeigt, wie dieses Prinzip angewendet wird. Dazu zählen stark verbaute Gewässer im Hochwasserschutz, aufgestaute Fließgewässer im Bereich der Wasserkraft oder große Talsperren, bei denen eine vollständige ökologische Wiederherstellung technisch kaum möglich ist. In all diesen Fällen würde eine Rückführung in einen naturnahen Zustand die bestehende Nutzung grundlegend infrage stellen.
Für Seen spielt diese Einstufung vor allem bei Speicherseen mit starken Wasserstands-schwankungen eine Rolle. Viele natürliche Seen Österreichs – darunter auch der Wörthersee – gelten hingegen (auch weiterhin) als natürliche Gewässer und unterliegen daher weiterhin dem Ziel des guten ökologischen Zustands.
Es wurde betont, dass die Einstufung als „erheblich verändertes Gewässer“ keinen Verzicht auf ökologische Verbesserungen bedeutet. Statt des guten ökologischen Zustands muss in solchen Fällen das sogenannte „gute ökologische Potenzial“ erreicht werden. Dieses wird für jedes Gewässer individuell festgelegt und kann umfangreiche Maßnahmen erfordern. Beispiel Drau: wo trotz bestehender Wasserkraftnutzung erhebliche Investitionen in Durchgängigkeit und ökologische Strukturverbesserungen notwendig waren und sind.
Workshop 4: "Bestandsanalyse Fischökologie am Wörthersee"
von Markus Reichmann, Amt der Kärntner Landesregierung (Abteilung Umwelt, Naturschutz und Klimaschutzkoordination)
Markus Reichmann (AKL Kärnten) präsentierte die Ergebnisse der Belastungsanalyse Fischökologie und ging dabei der Frage nach, welchen Einfluss Fische auf das Wachstum von Wasserpflanzen im Wörthersee haben. Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurden fünf Teilprojekte durchgeführt: eine aktuelle Fischbestandserhebung, der Vergleich mit früheren Erhebungen, die Auswertung von Besatzdaten, ein groß angelegtes Freilandexperiment zu Fischfraß und Wellenschlag sowie eine Befragung der Fischereiberechtigten.
Die Fischbestandserhebung aus den Jahren 2022/23 zeigt zunächst, dass sich der Wörthersee weiterhin in einem guten fischökologischen Zustand befindet. Insgesamt wurden 22 Fischarten nachgewiesen, wobei Rotauge, Seelaube, Flussbarsch und Sonnenbarsch zu den häufigsten Arten zählen. Auch die gesamte Fischbiomasse bewegt sich grundsätzlich im Bereich vergleichbarer Seen.
Gleichzeitig wurden jedoch einige Entwicklungen sichtbar, die aus ökologischer Sicht relevant sind. So weist die für den Wörthersee wichtige Leitfischart Laube erste Defizite in ihrer Altersstruktur auf. Da diese Art in Flachwasserbereichen laicht, könnte laut Reichmann insbesondere der Wellenschlag eine mögliche Ursache dafür sein, dass einzelne Größen- bzw. Altersklassen nur schwach vertreten sind.
Besonders auffällig ist der Vergleich mit der früheren Fischbestandserhebung aus den Jahren 2004/08. Dabei zeigt sich, dass sich die gesamte Fischbiomasse von rund 18 auf 68 kg pro Hektar nahezu vervierfacht hat. Ein großer Teil dieser Zunahme entfällt auf größere Fische im Bereich von 50 bis 80 Zentimetern. Die Analysen deuten darauf hin, dass dabei insbesondere der Karpfen eine wichtige Rolle spielt.
Auch die Auswertung der Besatzdaten weist in diese Richtung. Während früher v.a. Raubfische und andere Arten besetzt wurden, hat sich die Besatzstrategie in den vergangenen Jahren zunehmend zugunsten von Karpfen sowie pflanzen- und allesfressenden Arten verschoben. Gleichzeitig fehlen vielfach Daten zu den tatsächlich entnommenen Fischen, wodurch die langfristige Entwicklung nur eingeschränkt beurteilt werden kann.
Im Rahmen eines Freilandexperiments bei der Kapuzinerinsel wurden geschützte Versuchsflächen eingerichtet, um die Auswirkungen von Fischfraß, Wühltätigkeit und Wellenschlag auf Wasserpflanzen zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich Wasserpflanzen vor allem dort gut entwickeln konnten, wo sie sowohl vor Fraß als auch vor Wellenschlag geschützt waren. Außerhalb der geschützten Bereiche blieb der Bewuchs hingegen deutlich geringer.
Zusätzliche Feldbeobachtungen und Videoaufnahmen lieferten weitere Hinweise auf den Einfluss bestimmter Fischarten. So konnten größere Karpfenansammlungen, intensive Wühltätigkeit im Sediment sowie ein starker Fraßdruck auf Wasserpflanzen dokumentiert werden. Besonders eindrucksvoll war ein Videoversuch, bei dem ein rund 4 m2 großer Wasserpflanzenbestand nach dem Entfernen eines Schutzkäfigs innerhalb von etwa 30 Stunden vollständig abgeweidet wurde. Beteiligt waren dabei unter anderem Rotfedern, Rotaugen, Schleien, Güster, Lauben und Karpfen.
Die Befragung der Fischereiberechtigten zeigt zudem, dass viele Beobachtungen mit den Projektergebnissen übereinstimmen. Häufig genannt wurden eine Zunahme von Bootsverkehr und Stand-up-Paddling, stärkerer Wellenschlag sowie ein Rückgang von Wasserpflanzen-beständen. Zudem wurde von einer zunehmenden Bedeutung von Catch & Release berichtet.
Zusammenfassend kommt Reichmann zum Schluss, dass sich der Wörthersee zwar weiterhin in einem guten fischökologischen Zustand befindet, gleichzeitig aber Hinweise auf Veränderungen im Fischbestand und dessen Auswirkungen auf die Ufervegetation bestehen. Besonders die Ergebnisse der Freilandversuche zeigen, dass Wasserpflanzenbestände durch Fischfraß und Wühltätigkeit erheblich beeinträchtigt werden können und dass ein wirksamer Schutz nur in Kombination mit einer Reduzierung des Wellenschlags erreicht werden kann. Als mögliche Maßnahmen wurden daher u.a. eine Anpassung der Besatzstrategie, die Reduktion von Karpfenbeständen, die konsequente Dokumentation von Besatz und Entnahme sowie der Verzicht auf Anfütterung genannt.
Workshop 4: "Grundzüge der Fischerei in Kärnten (inkl. Wörthersee)""
von Thomas Friedl, Amt der Kärntner Landesregierung (Abteilung Umwelt, Naturschutz und Klimaschutzkoordination)
Thomas Friedl (AKL Kärnten) gab in seinem Vortrag einen Überblick über die Organisation der Fischerei in Kärnten und am Wörthersee sowie über die rechtlichen Rahmenbedingungen, die die Bewirtschaftung der Fischbestände bestimmen.
Ausgangspunkt bildet das Kärntner Fischereigesetz, dessen zentrales Ziel die Schaffung, Erhaltung und Wiederherstellung eines standortgerechten, artenreichen und gesunden Bestandes an Wassertieren ist. Dazu gehören nicht nur die Fische selbst, sondern auch die dafür notwendigen Lebensräume wie intakte Uferbereiche und ausreichend entwickelte Wasserpflanzenbestände.
Ein besonderes Merkmal des Kärntner Fischereirechts ist, dass grundsätzlich keine Besatzpflicht besteht. Im Vordergrund steht vielmehr die natürliche Reproduktion der Fischbestände. Fischbesatz soll erst dann erfolgen, wenn die ökologischen Voraussetzungen nicht ausreichen, um einen stabilen Bestand zu erhalten. Gleichzeitig bestehen Meldepflichten für Besatzmaßnahmen, während für den tatsächlichen Fischfang keine verpflichtende Ausfangstatistik vorgesehen ist.
Friedl erläuterte zudem die Unterschiede zwischen der fischereirechtlichen Betrachtung und der Bewertung nach der Wasserrahmenrichtlinie. Dabei wurde deutlich, dass nicht alle Fischarten, die fischereirechtlich als standortgerecht gelten oder besetzt werden dürfen, auch dem ursprünglichen Arteninventar eines Gewässers entsprechen. Daraus ergeben sich immer wieder Diskussionen über die Bewertung des ökologischen Zustands von Seen und die Rolle einzelner Fischarten.
Die Organisationsstruktur der Fischerei umfasst Interessensvertretungen (Fischereirevierverbände, Fischereiverband, Fischereivereinigung), Fischereiinspektor (für Gutachten, Beratung, übergeordnete Kontrolle, Fischereiaufsicht) und den Fischereibeirat (bestehend aus den genannten Akteuren) als beratendes Organ für die Landesregierung. Alle diese Akteure sind in unterschiedliche Entscheidungen rund um Bewirtschaftung, Schonzeiten, Besatz oder Gesetzesänderungen eingebunden.
Am Wörthersee gestaltet sich die Situation besonders komplex, da dort mehr als 40 unterschiedliche Fischereirechte bestehen – verteilt auf verschiedene Eigentümer:innen, Vereine und Bewirtschafter. Dadurch müssen viele Interessen abgestimmt werden, bevor gemeinsame Maßnahmen umgesetzt werden können. Friedl betonte, dass Veränderungen daher v.a. durch Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb der bestehenden Gremien gelingen können.
Überblick über die aktuelle Fischerei am Wörthersee: aktuell gibt es ca. 300 aktive Angelfischer:innen, ca. 12 aktive Netzfischer sowie drei Fischereivereine (mit 400 Mitgliedern).
Gewässerökologie verstehen
Der ökologische Zustand unserer Seen zeigt, wie widerstandsfähig sie gegenüber Klimawandel und Nutzung sind. Ein funktionierendes Ökosystem ist die Grundlage für ihren langfristigen Schutz. Das Verständnis darüber, wie ein seenökologisches System funktioniert, ist die Basis dafür, die Herausforderungen am Wörthersee zu meistern.
Die Artikel Gewässerökologie im Fokus: Unsere Seen nachhaltig sichern (Website des BMLUK) und Ökosystem See (Website wasseraktiv) bieten eine verständliche und kompakte Übersicht über die Funktionsweise eines Sees und worauf zu achten ist, um die Gesundheit unserer Gewässer zu bewahren oder zu verbessern.
Die österreichischen Seen sind ein zentraler Standortfaktor für Tourismus, Freizeit und Erholung – ihr guter ökologischer Zustand ist dafür die entscheidende Grundlage. Dafür wurden vom BMLUK im August 2026 „Empfehlungen für die nachhaltige Bewirtschaftung der österreichischen Seen„ veröffentlicht.