Praxisbeispiele zur Vorsorge

Praxisbeispiele aus ganz Österreich

 

Um das Vorgehen beim Prüfen, Sanieren und Erhalten der Trinkwasser- und Abwassersysteme greifbar zu machen, finden Sie in dieser Rubrik ca. 30 Fallbeispiele zum Thema VORSORGEN aus ganz Österreich.

Unter dem Schlagwort ‚TATENBANK‘ werden die Beispiele nach sechs thematischen Schwerpunkten gegliedert und zeigen, was verschiedene österreichische Gemeinden, Verbände und Wassergenossenschaften bereits für den Erhalt ihrer Trinkwasser- und Abwassernetze geleistet haben.

Wie geh ich's an? Sanieren nach Plan

Wer zu lange zuwartet, steht plötzlich vor einer nicht aufschiebbaren Generalsanierung von Leitungen, bei der die Kosten in die Höhe schnellen. Denn kommt es zu Störfällen, kann sich das auf die Versorgungssicherheit auswirken, sowie Folgeschäden für die Umwelt, an (Verkehrs-)Infrastruktur oder Gebäuden bedeuten. Deshalb zahlt sich ein vorausschauender Plan für das Prüfen, Warten und Erneuern für Leitungsbetreiber aus.

In einem systematischen Konzeptplan für die nächsten Jahre sollte festgeschrieben werden, welche Leitungsabschnitte bzw. Anlagen untersucht bzw. erneuert werden. Im Idealfall können auch Synergien mit anderen Bauvorhaben genutzt werden z.B. mit Betreibern von Gas, Fernwärme, etc. sodass Kosten gespart werden.

Ein langfristiger Reinvestitionsplan wie er auch in den Förderungsrichtlinien des Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus für die Siedlungswasserwirtschaft vorgesehen ist, enthält einen Zeit- und Kostenplan für die nächsten 10 Jahre, sodass die Maßnahmen sukzessive umgesetzt werden können und nicht jedes Jahr erneut darüber entschieden werden muss.

Der beste Sanierungszeitpunkt

Über die Hälfte der Trinkwasserleitungen und rund 30 % der Abwasserleitungen in Österreich wurde vor 1983 gebaut – bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 50 Jahren der Rohre besteht daher in den kommenden Jahren erhöhter Erneuerungsbedarf. Dabei gilt: Besser regelmäßig in kleineren Schritten sanieren, als plötzlich vor einer Kostenexplosion stehen. Um den Wert unseres Leitungsnetzes zu erhalten sollte 2 % der Infrastruktur jährlich saniert werden.

Der richtige Sanierungszeitpunkt ist dabei das A und O, um hohen Folgekosten vorzubeugen. Um den wirtschaftlich besten Zeitpunkt für eine Leitungssanierung oder -erneuerung zu ermitteln sollte der Betreiber den Zustand bzw. die Ausfallwahrscheinlichkeiten seines Netzes kennen. Nach dem Motto „Lebensdauer nutzen, aber nicht überstrapazieren“, ist der beste Zeitpunkt zum Erneuern, bevor das Schadensrisiko ansteigt, und damit die laufenden Wartungskosten zunehmen.

 

Ausfallswahrscheinlichkeit und Lebensdauer

Die „Badewannenkurve“ zeigt, dass der beste Sanierungszeitpunkt für Trinkwasserleitungen dann gekommen ist bevor das Schadensrisiko in Phase 3 ansteigt und damit die Wartungskosten zunehmen würden.

Das Diagramm veranschaulicht, dass das Kanalnetz bei der 2. Inspektion saniert werden sollte, dann reichen noch kleine Arbeiten. Wird zugewartet, kann es teuer werden: dann droht ein Totalausfall.

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Welches technische Sanierungsverfahren?

Steht eine Sanierung bzw. Erneuerung an, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: die offene Bauweise bei größeren Schäden – hier wird der Boden aufgegraben – oder die grabenlose Bauweise, bei der Reparaturen unterirdisch durchgeführt werden können. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, muss im Einzelfall geprüft werden und hängt vom Ausmaß des Schadens, dem Grad der Verbauung bzw. der Oberfläche und möglichen Beeinträchtigungen von Verkehr, Anrainern und Umwelt ab. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, ob Synergieeffekte im Rahmen von anderen Bauarbeiten genutzt werden können.

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Integrierte Sanierungskonzepte für Hausanschlussleitungen

Obwohl Hausanschlussleitungen schätzungsweise die Hälfte des gesamten Leitungsnetzes in Österreich ausmachen, wissen Hauseigentümerinnen und -eigentümer oftmals gar nicht über die Wartungs- und Instandhaltungspflicht der Leitungen am eigenen Grundstück Bescheid. Besonders beim Kanalsystem können nicht fachgerecht verlegte Rohre Auslöser für Schäden sein z.B. durch undichte Schnittstellen. Kanalrückstau kann zu Überschwemmungen führen, wenn nicht vorgesorgt wird. Aufklärung und Information ist deshalb gerade bei Hausanschlussleitungen besonders wichtig – hier können Gemeinden bzw. Betreiber Eigentümerinnen und Eigentümern mit Rat und Tat unterstützen.

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Finanzierung und Gebührenpolitik

Beim Erhalt von Leitungssystemen spielt die Finanzierung und eine langfristige und nachhaltige Gebührenpolitik eine wichtige Rolle. Kostenschätzungen für geplante Reinvestitionen und ein darauf abgestimmter Finanzierungsplan sind integraler Bestandteil des Reinvestitionsplans. Wer seine Investitionen und Kosten langfristig plant und errechnet, kann auf dieser Basis auch eine kostendeckende Gebührengestaltung schon für Jahre im Voraus fixieren. So werden plötzliche Gebührensprünge und tagespolitische Debatten auf kommunaler Ebene vermieden.

Förderungen

Die Förderung von Maßnahmen zur kommunalen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Österreich erfolgt von Seiten des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft auf Basis des Umweltförderungsgesetzes und der dazu erlassenen

 

Kosten- und Leistungsrechnung (KLR)

Die neuen Förderungsrichtlinien des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus für die kommunale Siedlungswasserwirtschaft sehen vor, dass jeder Förderungswerber eine Kosten- und Leistungsrechnung gemäß den Vorgaben des ÖWAV oder der ÖVGW führt.

Mit einer Kosten- und Leistungsrechnung können Betreiber einer Wasserversorgungs bzw. Abwasserentsorgungsanlage übersichtlich darstellen, welche Kosten wo anfallen. Sie dient außerdem als verlässliche Grundlage für die Gestaltung des Gebührenhaushalts.

Bei der KLR erfolgt eine Gliederung der Kosten in Kostenstellen (z.B. Leitungen, sonstige Anlagenteile, Verwaltung und Schuldendienst) und Kostenarten (Betriebskosten und Kapitalkosten). Mit Hilfe eines Kennzahlensystems können Kosten über mehrere Jahre miteinander verglichen werden.

Die Gesamtkosten werden der Gesamtsumme der Leistungen (laufende und einmalige Einnahmen und Förderungen) gegenübergestellt. So kann festgestellt werden, ob eine Kostendeckung vorliegt.

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Kommunikation mit der Bevölkerung

Eine sichere Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung geht uns alle an und ist keineswegs selbstverständlich. Gerade weil die Infrastruktur verborgen unter der Erde liegt bzw. die Wartung oftmals außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung in der Bevölkerung geschieht, ist es umso wichtiger, Bewusstsein für den Wert und die Erhaltung des Netzes in der Öffentlichkeit zu schaffen.

Durch gezielte Information kann nicht nur die Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt, sondern auch die Akzeptanz für Sanierungsmaßnahmen bzw. temporäre Einschränkungen durch Bauarbeiten und auch für damit einhergehende Kosten wie Gebührenanpassungen erhöht werden.

Egal ob die Informationen im Web, per Social Media oder Infobroschüre verbreitet werden – proaktive Kommunikation ist das Um und Auf. Durch Medienarbeit können zudem der Kreis der Adressatinnen und Adressaten noch zusätzlich erhöht werden.

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VORSORGEN-Tage: Ausstellung, Führungen und Medienarbeit

Im Zuge der VORSORGEN-Tage wird die mobile Ausstellung bestehend aus 13 Roll-Ups und ergänzendem Anschauungsmaterial (z.B. Fotos von Schäden, Rohrteilen, Sanierungsmaterial) mit einem Impulsevent und regionalen Presseterminen kombiniert. Die Ausstellung findet über mehrere Tage als Schaubetrieb statt.

Ziel ist es, Inhalte der Initiative an Bürger:innen (Fokus Schulkinder, Vereine, Gemeinderäte) und regionale Medien zu vermitteln sowie Netzbetreibern in der Region aufzuzeigen, wie VORSORGEN umgesetzt werden kann. Für weitere Informationen zu den VORSORGEN-Tagen als Zusatzpaket kontaktieren Sie bitte vorsorgen@tatwort.at

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