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Vom Wald ins Wasser: Die Geschichte vom traditionellen Christbaum(tauchen)

Für die meisten Österreicherinnen und Österreicher ist ein geschmückter Tannenbaum wohl der symbolische Mittelpunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten. Festlich geschmückte Christbäume mit leuchtenden Kerzen, Kugeln, Engeln, glitzerndem Lametta, Schokolade und einem Stern auf der Baumspitze stehen spätestens zum Heiligen Abend in den Wohnzimmern und erfreuen mit ihrem Duft und Glanz.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Christbaumtauchen vor dem Heiligen Abend als stark heimat- und naturverbundene Weihnachtstradition entwickelt. Dabei wird ein mit elektrischen Kerzen geschmückter Christbaum im See versenkt und von erfahrenen Tauchern und Taucherinnen wieder an Land gebracht.

Das Christbaumtauchen symbolisiert ein Gendenken an alle Verunglückten im Wasser. Zudem wird dafür gedankt, dass das Einsatzjahr der Blaulichtorganisationen auf dem Wasser unfallfrei verlaufen ist.

Seinen Ursprung hat dieser Brauch im oberösterreichischen Gmunden, wo im Jahr 1966, wo die Wasserrettung das Christbaumtauchen erfand, um neben dem Gedenken an die Opfer auch den Kindern des nahen SOS-Kinderdorf Altmünster eine Weihnachtsfreude zu gestalten. Die Idee verbreitete sich schnell auch in den anderen Bundesländern.

Die Reise des Christbaums vom Wald in unsere Wohnzimmer

Ursprünglich aus heidnischen Kulturen kommend, waren immergrüne Pflanzen schon vor vielen Jahrhunderten ein Symbol für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. So haben die Germanen Tannenzweige zur Wintersonnenwende an öffentlichen Orten und vor ihren Häusern platziert.

Im 18. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch des Christbaums zunächst bei hohen Beamten und wohlhabenden Bürgern in den Städten. Tannenbäume waren zu dieser Zeit in Mitteleuropa noch knapp und daher sehr kostspielig. Eine der ersten literarischen Erwähnungen des Weihnachtsbaums findet man in Goethes “Die Leiden des jungen Werther” aus dem Jahr 1774. Goethe beschreibt das Entzücken seines Protagonisten an einem Sonntag vor Weihnachten von einem aufgeputzten Baum mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln.

Spätestens im 19. Jahrhundert wurden geschmückte Weihnachtsbäume zum festlichen Inventar in bürgerlichen Wohnzimmern in der Stadt und auf dem Land.

Langer Weg des Christbaums im katholischen Kontext

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Christbäume in katholischen Kirchen erlaubt. Papst Johannes Paul II. führte das Brauchtum schließlich im Jahr 1982 im Vatikan ein. Davor galt er lange als unreligiöses Brauchtum und eher als bürgerliches Symbol, wogegen sich die katholische Kirche lange Zeit zur Wehr setzte.

Mittlerweile ist der Christbaum vom Heiligen Abend sowie vom traditionellen Weihnachts-Christbaumtauchen nicht mehr wegzudenken.