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Wasserweisheiten – Redewendungen und ihre Bedeutung

Unsere Sprache ist voller bildhafter Redewendungen, die eine ganz andere Bedeutung haben als im eigentlichen Wortsinn. Da sie ihren Ursprung oft in alten Zeiten haben, ist ihre Bedeutung vielfach nicht oder nur schwer nachvollziehbar. Besonders das Wasser – der Stoff, ohne den wir alle nicht überleben könnten – ist oft Bestandteil von Sprichwörtern. Wir sind einigen von ihnen auf den Grund gegangen:

Wasser auf die Mühlen von jemandem gießen oder jemandem das Wasser abgraben

Ersteres bezeichnet die (ungewollte) Unterstützung einer anderen Person. Es geht dabei auf der einen Seite darum, dass sich die Mühle nur durch die Energie des Wassers drehen kann und umso mehr Wasser fließt, desto schneller mahlt die Mühle. Auf der anderen Seite hat es auch einen juristischen Hintergrund. Denn früher wurden den Müllern in den sogenannten Wasserrechten bestimmte Wassermengen für ihre Mühle zuerkannt. Dabei gab es auch Probleme mit Wasserdiebstahl und Bestechung der Schleusenwärter. Das beschreibt das gegensätzliche Sprichwort „Jemand das Wasser abgraben": Hier wurde der einen Mühle die nötige Energie entzogen, weil zum Beispiel ein Bach von jemandem (zur eigenen Mühle) umgeleitet wurde.

Das Fass zum Überlaufen bringen oder Das schlägt dem Fass den Boden aus

Wenn etwas das Fass zum Überlaufen bringt, dann bringt ein – oft recht kleines - Ereignis eine Situation zum Eskalieren. Der ständige Ärger oder die aufgestaute Wut wird mit der Flüssigkeit in einem Fass verglichen, das immer mehr wird. Und wenn das Fass eigentlich schon voll ist, reicht schon ein kleiner Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen, also eine heftige Reaktion hervorzurufen.

Interessanterweise hat das Sprichwort „Dem Fass den Boden ausschlagen“ eine ähnliche Bedeutung. Denn auch hier entlädt sich die Flüssigkeit schlagartig von einem Moment auf den anderen – auch wenn hier die Flüssigkeit nach unten entweicht. Dieses Sprichwort hängt mit dem Verkauf von Bier zusammen. Je nach Überlieferung wollten Bierbrauer entweder in Nürnberg oder in Bayern nicht genießbares Bier verkaufen. Die Beamten sahen sich daraufhin gezwungen, den Fässern den Boden auszuschlagen, um das zu verhindern.

Vom Regen in die Traufe

Die meisten kennen das Sprichwort vom Regen in die Traufe kommen und kennen solche Situationen im Alltag: Von einem schlimmen Zustand kommt man in einen noch viel schlimmeren.

Doch wer von euch hat sich heimlich auch schon gefragt, was denn eine Traufe sein soll? Die Traufe ist die Tropfkante vom Dach eines Gebäudes. Oft fließt bei Gebäuden mit Dachrinnen das Wasser von der Dachrinne in ein Rohr, das dann entweder das Wasser in den Boden, in eine Regentonne, eine Sickergrube oder ähnliches leitet. Es gibt aber auch Gebäude, bei denen die Dachrinne nur eine Art Loch hat, von dem aus das ganze gesammelte Wasser - wie ein Wasserfall - vom Dach bis zum Boden fällt. Und dieses Loch ist die Tropfkante aka die Traufe.

Das Sprichwort bezeichnet somit die Situation, in der man versucht vor dem Regen zu flüchten und sich Schutz suchend unter ein das Dach eines Gebäudes stellt. Aber stattdessen strömt ein Wasserschwall aus der Traufe auf einen herab.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Ausdauer führt zum Erfolg, wie auch das beharrliche Tropfen auf einen Stein irgendwann zu einer Mulde in einem Stein führt. Es stammt eigentlich vom römischen Dichter Ovid, der in der Antike lebte: „Gutta cavat lapidem non vi, sed saepe cadendo“, was übersetzt bedeutet: Der Tropfen höhlt den Stein nicht durch Kraft, sondern durch oftmaliges Fallen.

(Nur) ein Tropfen auf dem heißen Stein

Hier ist genau das Gegenteil der Fall – hier ist der Tropfen einfach zu wenig bzw. ein unbedeutender Faktor. Denn ein paar Tropfen Wasser reichen nicht aus, um einen heißen Stein zum Abkühlen zu bringen - sie verdampfen sofort. Die Redewendung ist seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt.

Etwas fällt ins Wasser

Hier haben wir einmal etwas Französisches. Die Redewendung kommt aus dem französischen „tomber à l’eau“ und ist seit dem 19. Jahrhundert bezeugt. Auch im Niederländischen gibt es dazu ein Pendant: „In het water vallen“. Es bedeutet, dass etwas Geplantes nicht ausgeführt beziehungsweise unternommen werden konnte.