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Ebbe und Flut am Neusiedler See

Im Februar war am Neusiedlersee ein spektakuläres Naturphänomen zu beobachten. Stürmischer und anhaltender Wind aus Nordwest drückte eine große Menge Wasser vom Norden in den Süden des Sees. 22 Millionen Kubikmeter wurden dabei in Richtung des ungarischen Schilfgürtels verlagert. Während der Wasserstand in Apetlon, dem südlichsten Pegel, 115,92 Meter über Adria erreichte, lag er am Pegel Neusiedl am Nachmittag bei 114,76 Meter über Adria − und damit um 1,16 Meter niedriger. Die Folge waren trockengefallene Bootsliegeplätze, so manche Badeleiter endete oberhalb des Wasserspiegels.

Leichte Beweglichkeit der Wassermassen typisch

Sorgen um den Wasserstand im See muss man sich deshalb aber noch nicht machen. „Wasserspiegelschwankungen gehören zum seichten Steppensee mit seiner durchschnittlichen Tiefe von nur einem Meter. Solche Differenzen kommen alle zwei bis drei Jahre vor“, erklärt Karl Maracek, Leiter der Hydrographie im Burgenland. Fast immer treten sie in den Frühlings- und Wintermonaten auf, denn zu dieser Zeit ist auch länger andauernder Wind aus einer Richtung häufig. Nicht immer wird dabei das Wasser vom Norden in den Süden gedrückt. Auch die umgekehrte Richtung ist möglich, denn Südostwind kann das Wasser ebenfalls verlagern. Das war zum Beispiel im Dezember 2017 der Fall.

Unterdurchschnittlicher Wasserstand zu Jahresbeginn

Der Neusiedler See ist der größte See Mitteleuropas ohne natürlichen Abfluss. Bei mittlerem Wasserstand beträgt das Volumen des Sees ungefähr 320 Millionen Kubikmeter Wasser. Wieviel Wasser er jeweils enthält, hängt vor allem vom Niederschlag ab. Nur 13 Prozent seines Volumens werden von kleinen Zuflüssen wie der Wulka beigesteuert. Entscheidend für die Höhe des Wasserstandes ist die Niederschlagsmenge der vergangenen zwölf Monate. Da es vor allem im Sommer und Herbst 2019 zu wenig geregnet hat, war dieser im Februar 20 Zentimeter niedriger als im langjährigen Durchschnitt. Ein Trend zu niedrigeren Pegelwerten ist bereits seit 2015 erkennbar.

Fotocredit: Segelschule Neusiedl/Elvira Horvath