Zurück zur Übersicht

Europas höchste Fischtreppe wird in Betrieb genommen

Fische überwinden 26 Höhenmeter

Ende September wurde die neue Fischwanderhilfe an der Drau in Kärnten eröffnet. Das Besondere daran? Sie ist Europas höchste Fischtreppe!

In einer aufwendigen Anlage von 172 kleinen Pools können Fische beim Kraftwerk an der Angerbrücke stromauf- und abwärts wandern. 21 Ruhepools ermöglichen, dass sich die Tiere beruhigen und Kraft tanken können, um den weiteren Aufstieg problemlos meistern zu können. Die Treppe schlängeln sich vom unteren Teil der Drau bis zum Staubecken. Die Fische werden bei ihrer Wanderung von einer Videoanlage aufgenommen. So können sie gezählt werden, die daraus gewonnen Daten können zur Fließgewässerforschung beitragen.
Laut Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus Elisabeth Köstinger, die bei der Eröffnung anwesend war, schafft die Vernetzung von Lebensraum der Fische einen großen Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität. Seit 2009 wurden in Österreich 1.000 Fischaufstiege errichtet und es sollen noch zahlreiche folgen.

Struktur der Fischtreppe

Die Beckenstruktur ist speziell für das Fischartenspektrum der Drau ausgelegt und zeichnet sich durch sehr geringe Fließgeschwindigkeiten in den einzelnen Bereichen aus. Die Wasserbewegung wird konstant ruhig gehalten, so sparen die Fische Kraft. Die natürlichen Böden der Fischwanderhilfe ist ein wertvoller Lebensraum für Mikroorganismen und kleinste Lebewesen wie zum Beispiel Larven und Fischnährtiere. Die Fischwanderhilfe ist eigentlich ein Migrationskorridor, da alle Wasserlebewesen diese Strecke nutzen können.

Besonders wichtig ist die Aufstiegshilfe für die sogenannten Mittelstreckenwanderer. Das sind Fische, die ausgedehnte Wanderungen bis zu mehreren hundert Kilometern flussaufwärts unternehmen, um geeignete Laichplätze zu finden. Anschließend suchen sie wieder ihre ursprünglichen Lebensräume flussabwärts auf.

Instandhaltung und Kontrolle der Fischtreppe

Jede Fischwanderhilfe an der Drau wird nach ihrer Fertigstellung durch ein umfangreiches fischökologisches Monitoring überprüft. Das bedeutet, dass die Tiere laufend beobachtet werden, um sicherzustellen, dass alle die Treppe beschwerdefrei überwinden können. Und das vollkommen berührungslos und dementsprechend stressfrei für die Tiere. Darüber hinaus hat das Filmen den positiven Nebeneffekt, dass genauer verfolgt werden kann, welche Fische in der Drau leben.
Von jedem Fisch, der die Fischwanderhilfen besucht, gibt es eine kurze Videosequenz. Der genaue Zeitpunkt, die Fischart, die Länge und die Richtung (Auf- oder Abstieg) werden bestimmt und in einer Datenbank gespeichert. Es wurden beispielsweise bereits mehrere Welse mit einer Länge von über 120 cm registriert.
Insgesamt wurden bislang mehrere 100.000 Fische aufgezeichnet. Damit konnte nachgewiesen werden, dass alle in der Drau vorkommenden Fischarten, darunter auch schwimmschwache Klein- und Jungfische, die Fischwanderhilfen bereits erfolgreich durchwandern.