Zurück zur Übersicht

„Barrierefreiheit“ für die Seeforelle im Montafon

Nach den Vorgaben des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans wurden 2014/15 und 2015/16 zwei Rampen an der III gebaut, die die Fischdurchlässigkeit vom Bodensee bis in das Montafon möglich macht. Das heißt praktisch, dass die Seeforelle wieder bis in das Montafon schwimmen kann und dies nachweislich auch tut. Die III ist ein Zubringerfluss zum Rhein, der sich nach dem Ausfluss aus dem Bodensee durch Vorarlberg und das Montafon rund um Bludenz schlängelt.

Welche Baumaßnahmen unterbrachen die Wanderungen der Seeforelle?

Im 19. Jahrhundert wurden entlang der Ill massive Regulierungen durchgeführt, die den vormals im Mittel 300 Meter breiten Flusslauf in ein schmales Gerinne mit einer Breite von 30-50 Metern verwandelte. Außerdem verlief die III nach der Veränderung viel gerader. Gepaart mit den vielen Speicherseen in der Region führte es dazu, dass der Fluss anfing sich in seinem Bett „einzugraben“. Das bedeutet, dass der Fluss laufend sein Flussbett abträgt und sich daher immer tiefer in den Boden gräbt. Deswegen musste vor 50 Jahren an zwei Stellen der Boden stabilisiert werden. Diese Konstruktionen haben bisher verhindert, dass eine Fischpassierhilfe installiert werden konnte.

Wo endete der natürliche Lebensraum der Seeforelle?

Ehe im 19. Jahrhundert die III künstlich verändert wurde, nutzte die Seeforelle den Fluss, um sich fortzubewegen. Es ist immer schwierig einen Lebensraum von einer Spezies exakt bestimmen zu können, besonders wenn die Grenzen des Lebensraumes sich verschoben haben. Es konnte aber nachgewiesen werden, dass die Bodensee-Seeforelle ein natürliches Verbreitungsgebiet hatte, dass bis kurz unterhalb von Schruns/Tschagguns reichte. Die Orte liegen im sogenannten mittleren Montafon.

Plan zur Verbesserung der Fischwanderungen

Bereits im Jahre 2009 wurden auf die Defizite der Fischdurchgängigkeit und die fehlende Vernetzung mit den Nebengewässern hingewiesen und Maßnahmen vorgeschlagen. In den Wintermonaten der Jahre 2014/15 und 2015/16 wurden schließlich zwei große Rampen bei Nüziders in wabenförmiger Ausführung gebaut. Schon wenige Wochen nach der Umsetzung des Bauvorhabens wurden oberhalb der Rampen Seeforellen entdeckt. Das spricht für den Erfolg der gesetzten Maßnahmen.

Wie die Fischwanderhilfe auch vor Hochwasser schützen kann

Die zwei Rampen sind von einem speziellen Typ, der erstmals in Österreich verbaut wurde. Neben der Fischpassierbarkeit liefert dieser Typ auch Schutz vor Hochwasser. Nach den ersten Hochwassern hat sich der wabenförmige Bau der Rampen bewährt gemacht. Darüber hinaus muss beim Bau solcher Rampen darauf geachtet werden, dass die Fließgeschwindigkeit und die Beckentiefen eingehalten werden. Diese und weitere Vorgaben sind in einem Leitfaden festgehalten. Der Bau der Rampen erfolgte genau diesem Leitfaden und ermöglicht aufgrund des wabenförmigen Grundrisses unterschiedliche Wanderkorridore schräg zur Strömungsrichtung. Sie bieten geeignete Strömungsverhältnisse und Fischwege, die die Tiere nutzen können. Nach der gelungenen Umsetzung steht die Bodensee-Seeforelle nun wieder vor dem Eingang ins Montafon und ins Klostertal.