Der Klimawandel macht auch vor unseren heimischen Seen nicht Halt. Was für Badegäste zunächst angenehm klingt, hat für Seen als empfindliche Ökosysteme weitreichende Folgen. Messungen zeigen: In den vergangenen rund 40 Jahren ist die durchschnittliche Oberflächentemperatur österreichischer Seen um etwa zwei Grad Celsius gestiegen. Besonders betroffen sind Seen im Alpenvorland und im nördlichen Flach- und Hügelland.
Längere Hitzephasen verändern den See von innen
Seen sind geschichtete Lebensräume. Im Sommer liegt warmes, leichtes Wasser oben, darunter befindet sich kälteres, schwereres Tiefenwasser. Normalerweise kommt es im Herbst zu einer vollständigen Durchmischung des Wassers – ein wichtiger Prozess, um Sauerstoff und Nährstoffe im gesamten See zu verteilen.
Durch den Klimawandel verschieben sich diese Abläufe:
- Die Erwärmung beginnt früher im Frühling
- Die Sommerschichtung hält länger bis in den Spätherbst oder Winter
- Die Durchmischung findet später oder unvollständig statt
Das führt dazu, dass das Tiefenwasser immer weniger Sauerstoff erhält – mit gravierenden Folgen für Pflanzen und Tiere.
Weniger Sauerstoff, mehr Stress für Fische
Vor allem kälte- und sauerstoffliebende Fischarten geraten unter Druck. Arten wie Seesaibling oder Reinanke finden oft keinen geeigneten Lebensraum mehr:
- Oben ist das Wasser zu warm
- Unten fehlt der Sauerstoff
Besonders kritisch ist die Situation in mittelgroßen Seen mit Tiefen zwischen 25 und 40 Metern. Der verfügbare Lebensraum für empfindliche Fischarten schrumpft dort zeitweise drastisch.
Erwärmung begünstigt Algen und Nährstoffprobleme
Steigende Temperaturen fördern auch das Wachstum von Algen. Gleichzeitig können sich Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff stärker anreichern. In extremen Fällen kann das sogenannte „Umkippen“ eines Sees begünstigen – ein ökologischer Kollaps mit massivem Sauerstoffmangel.
Gewinner und Verlierer unter Wasser
Nicht alle Arten reagieren gleich:
- Verlierer: Kälte- und sauerstoffliebende Fische
- Profiteure: wärmeliebende Arten wie Karpfen, Hecht, Wels oder Barsch
Langfristig kann sich dadurch das gesamte Artenspektrum eines Sees verändern – mit Folgen für Biodiversität, Fischerei und Wasserqualität.
Klimaschutz bleibt entscheidend
Die Veränderungen in unseren Seen zeigen deutlich: Der Klimawandel wirkt nicht abstrakt, sondern direkt vor unserer Haustür – oft verborgen unter der Wasseroberfläche. Nur durch wirksamen Klimaschutz und einen sorgsamen Umgang mit unseren Gewässern können Seen auch in Zukunft stabile, artenreiche Lebensräume bleiben.