Die Donau ist viel mehr als nur ein breiter Fluss. Sie ist das historische blaue Band Österreichs und verbindet uns mit ganz Europa. Mit rund 2.850 Kilometern Länge ist sie nach der Wolga der zweitlängste Fluss unseres Kontinents. Das Besondere: Sie fließt als einziger großer Strom von Westen nach Osten. Auf ihrem Weg durchquert oder berührt sie zehn Länder – so viele wie kein anderer Fluss auf der Erde. Aber wie gut kennen wir die Geschichte dieses gewaltigen Wassers?
Der große Streit um die Quelle
Schon beim Ursprung gibt es eine spannende Diskussion. Die Schwarzwaldstädte Donaueschingen und Furtwangen zanken sich seit Jahrhunderten, wo die „echte“ Quelle liegt. Wissenschaftlich entspringt die Donau mit dem Fluss Breg bei Furtwangen. Trotzdem gilt ein kleiner Brunnen im Schlosspark von Donaueschingen als symbolische Quelle. Das Spannende an diesem Streit: Wer die Quelle besitzt, darf sich offiziell „Heimat der Donau“ nennen – und das zieht jedes Jahr unzählige Touristen an.
Raubritter und ein gefangener König in der Wachau
Seit Jahrtausenden nutzen Menschen die Donau als Transportweg und Grenze. Besonders spannend ist die Geschichte der Wachau. Das ist ein enges, wunderschönes Flusstal in Niederösterreich, das heute für seine Marillengärten und Weinreben weltberühmt ist. Im Mittelalter lauerte dort jedoch große Gefahr. Gefürchtete Ritter bauten auf den steilen Felsen mächtige Burgen wie Aggstein und Dürnstein. Einer Sage nach spannten sie eine schwere eiserne Kette über den Fluss, um vorbeifahrende Schiffe zu stoppen und auszurauben. Auf der Burg Dürnstein passierte auch echte Weltgeschichte: Hier wurde im Winter 1192 der englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten.
Als Pferde noch Schiffe zogen
Bevor es Motoren gab, war die Schifffahrt auf der Donau ein echter Knochenjob. Flussabwärts trieben die Holzschiffe einfach mit der Strömung. Doch zurück ging es nur mit Muskelkraft! Auf sogenannten Treppelwegen entlang des Ufers zogen lange Pferdegespanne die Schiffe stromaufwärts. Für einen einzigen großen Schiffszug brauchte man bis zu 60 Pferde.
Das änderte sich 1829 mit den ersten Dampfschiffen. Das berühmte erste Dampfschiff namens „Franz I.“ brauchte für die Fahrt von Wien nach Budapest rund 14 Stunden flussabwärts, aber für den Rückweg gegen die Strömung fast zwei Tage! Zum Vergleich: Heute schafft ein modernes Schnellboot (Tragflächenboot) dieselbe Strecke in nur 5,5 Stunden, und gemütliche Kreuzfahrtschiffe brauchen etwa 7 bis 8 Stunden.
Der Umbau der Donau in Wien
Weil die Donau früher wild durch Wien floss, fror sie im Winter oft zu. Das Eis staute sich und sorgte regelmäßig für große Überschwemmungen in den Wohngebieten. Deshalb beschloss man vor gut 150 Jahren einen genialen Plan, um den Fluss zu bändigen.
Die Ingenieure bauten die neue Donau einfach auf trockenem Land! Sie gruben ein neues, schnurgerades Bett direkt neben dem fließenden Fluss. Und jetzt kommt der schlauste Trick: Im unteren Bereich hoben sie nur einen schmalen Graben aus. Als sie die Erddämme öffneten, spülte die enorme Kraft des einströmenden Wassers das restliche Flussbett ganz von alleine aus. Die Natur half also selbst beim Bauen! Aus den alten, wilden Kurven der Donau entstand so die ruhige „Alte Donau“, die heute ein beliebtes Bade- und Freizeitparadies ist. Später baute man noch die Donauinsel und die Neue Donau als perfekten Schutzwall dazu.
Die Rettung der Auwälder vor den Baggern
Mitte des 20. Jahrhunderts bauten die Menschen viele Wasserkraftwerke an der Donau. Doch als 1984 ein weiteres riesiges Kraftwerk mitten in den unberührten Donauauen bei Hainburg entstehen sollte, passierte etwas Historisches. Tausende Umweltschützer besetzten im eisigen Winter den dichten Auwald, um die Rodung der Bäume zu verhindern. Nach friedlichen, aber hartnäckigen Protesten lenkte die Regierung ein. Aus diesem geretteten Wald entstand der Nationalpark Donau-Auen, der heute Pflanzen und Tieren ein sicheres Zuhause bietet.
Heute stehen wir vor neuen Aufgaben: Der Klimawandel bringt den Wasserhaushalt durcheinander. Wir haben heißere Sommer, weniger Schnee im Winter und trockenere Böden. Deshalb ist es wichtiger denn je, die Donau zu schützen – für seltene Tiere wie den uralten Stör oder den Schlammpeitzger, aber auch für uns Menschen.